vorschau
kommende ausstellung

Christus an Rhein und Ruhr -
Zur Wiederentdeckung des Sakralen in der Moderne 1910 – 1930

Ausstellungsdauer:
29. Mai – 13. September 2009
Eröffnung: Do, 28.05.09, 18.00 Uhr

Ecce Homo – die "Veronika" Will Küppers hält das Schweißtuch hoch – Seht, ein Mensch! Heinrich Hoerle malt das Antlitz Christus’ und zerlegt es in kubistische Formen: Hier ist der neue Mensch! Die Kölner Künstlerzeitschrift Ventilator ruft provokant eine „Warnung!“ aus:

„Laßt Euch auf keinen Handel mit dem Herzen ein. Verbarrikadiert Eure Gefühle. Haltet euch am Besitz – euer gefährlichster Feind ist der Geist! […] Epidemien greifen um sich! Christus ist auf der Welt. Der Kommunist Christus.“

Heinrich Maria Davringhausen
Kreuzigungsszene I, 1913, Öl/Lwd., 62 x 62 cm,
Leopold-Hoesch-Museum Düren
© Renata Davringhausen c/o Leopold-Hoesch-Museum Düren

Die Ausstellung „Christus an Rhein und Ruhr“ im August Macke Haus erinnert an ein Jahrhundertphänomen, das allzu lange im Verborgenen blieb.

Heinrich Campendonk malt den „grünen Christus“ am Kreuz, grün nicht als Farbe, sondern als Verb, als Seinszustand. Der Christus des 20. Jahrhundert ist grün – er ist jung und er grünt – er lebt und er kommt. Er wird und muss der ganz Andere sein! Wilhelm Lehmbrucks Entwurf für den Ehrenfriedhof auf dem Kaiserberg in Duisburg manifestiert nicht den heroischen Körper, hier begegnet kein Krieger, schwertumgürtet. Er ist der „Gestürzte“. Zu schwach, um aufzustehen, scheint er im Kriechen innegehalten. Er weint. Auf allen Vieren schockiert er den Betrachter in seiner Verletzlichkeit, appelliert, man müsse ihm helfen. Lehmbrucks Gestürzter markiert eine Grenze: Hier geht es nicht mehr weiter. Der Mensch hat die Tiefe seiner Existenz erreicht, wie Christus im Leiden an die Grenze der Erniedrigung gelangt ist. Wie er zugleich zum Symbol neuer Menschlichkeit wurde, konnte und musste auch diese Generation der Erniedrigten zu neuem Leben und zu neuem Empfinden vorstoßen.

Franz M. Jansen
Durchhalten, um 1923, Holzschnitt, 32,6 x 44,5 cm
August Macke Haus Bonn

Der Kölner Künstler Franz W. Seiwert motivierte mit seinem vor 1925 entstandenen, undatierten Glasbild „Christus im Ruhrgebiet“ zum Titel der Ausstellung. Christus durfte nicht länger in der süß-kitschigen Stilisierung einer weltfernen, zeitlosen Bildwelt und kommerzialisierten Andachtskultur verkommen.

Franz W. Seiwert
Christus im Ruhrgebiet, vor 1925, Glasfenster, 59 x 44 cm
Rheinisches Landesmuseum Bonn

Hier und Jetzt, angesichts der Entfremdungserfahrungen der Moderne, besann man sich auf die Wirkmacht und spirituelle Kraft Jesu und reaktivierte eine verschüttete kulturelle Erinnerung. Christus erschien, wie in seiner Zeit, als der Leidende und als Retter zugleich. Dies galt vor allem nach der Erschütterung, die der Erste Weltkrieg bedeutet hatte. In der urbanen Kultur des Rheinlandes verdichtete sich der messianische Geist, der bis weit in die zwanziger und frühen dreißiger Jahre Künstler und Schriftsteller zu innovativem Schaffen anregte. Philosophie und Theologie, Architektur, Kunstgewerbe und Musik zehrten vom neuen Christusbild.

Walter Ophey
Alte Holzfigur II, 1913-15, Öl/Lwd., 60 x 54 cm, Privatbesitz Köln
(c) Walter Ophey, VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Die Ausstellung zeigt Malerei und Graphik, Plastik und Keramik, Literatur und Bühnenbilder.

Lotte B. Prechner
Pieta, 1920, Bronze, H 33 cm, Rheinisches Landesmuseum Bonn

Gezeigt werden künstlerische Arbeiten u. a. von Herm Dienz, Otto Freundlich, Heinrich Hoerle, Franz W. Jansen, Will Küpper, Else Lasker-Schüler, Wilhelm Lehmbruck, August Macke, Marie von Malachowski-Nauen, Carlo Mense, Heinrich Nauen, Walter Ophey, Otto Pankok, Lotte B. Prechner, Franz W. Seiwert; Adalbert Trillhaase, Egon Wilden, Emil Zuppke sowie literarische Werke u. a. von Carl Einstein, Kurt Heynicke, Hannes Küpper, Karl Röttger, Karl Gabriel Pfeill, Paul Zech, Carl Zuckmayer.

Carlo Mense
Kreuzabnahme, 1915, Linolschnitt, 30,4 x 24 cm
August Macke Haus Bonn

Der Katalog reflektiert das Problemfeld und die kulturhistorische Bedeutung der Thematik in einem breiten Spektrum der Anwendungsbereiche:

Dr. Gabriele Broens: Pietà. Sinnbild zwischen Tod, Trauer und Erlösung
Dr. Gerald Köhler: Menschensohn statt Gottessohn. Zur sakralisierten Bühne der Expressionisten
Prof. Dr. Wolfgang Pehnt: Die Form einer ungeheuren Empfindung. Westdeutscher Sakralbau  zwischen 1918 und 1933
Dr. Adam C. Oellers: Das Christusbild in der Malerei der (frühen) rheinischen Moderne
Dr. Gast Mannes: Du sollst Dir ein Bildnis machen. Christliche Semantik in der Druckgraphik rheinländischer Künstler zu Beginn des 20. Jahrhunderts
Prof. Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann, Jasmin Grande M. A.: Verlust und Wiederentdeckung. Zur Jesusthematik in der Literatur

Katalog zur Ausstellung  ca. 320 Seiten, 150 teils farbige Abbildungen, 25.- Euro

Kuratorinnen der Ausstellung Prof. Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann, Jasmin Grande M. A.

Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt des August Macke Hauses Bonn, der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und dem dortigen Institut „Moderne im Rheinland“



christus an rhein und ruhr

Leihgeber 

Kunstmuseum Ahlen
Kunstmuseum Bonn
Rheinisches Landesmuseum Bonn
Rheinisches Archiv für Künstlernachlässe, Bonn
Will-Küpper-Sammlung der Stadt Brühl
Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt, Dortmund
Leopold-Hoesch-Museum, Düren
Hetjens-Museum, Düsseldorf
Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg
Otto Pankok Museum, Haus Esselt, Hünxe-Drevenack
Ewald-Mataré-Sammlung, Museum Kurhaus Kleve
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln
KOLUMBA Kunstmuseum des Erzbistums Köln
Theaterwissenschaftliche Sammlung Schloss Wahn, Köln
Universitäts- und Stadtbibliothek Köln
Universitäts- und Landesbibliothek Münster
Edwin Scharff Museum, Neu-Ulm
Clemens-Sels-Museum, Neuss
Universitätsbibliothek Trier
sowie zahlreiche private Leihgeber, die nicht genannt sein möchten



 
plakat zur ausstellung
Walter Ophey
Plakat zur Ausstellung
verein august macke haus e.v.
Bornheimer Straße 96
53119 Bonn
Telefon: 0228 / 65 55 31
Fax: 0228 / 69 15 50
Mail: buero@august-macke-haus.de
öffnungszeiten

Di - Fr 14.30-18 Uhr,
Sa, So & Feiertags 11-17 Uhr,
Mo geschlossen.

kostenlose führungen
Sonntags jeweils um 11.30 Uhr