OTTO FREUNDLICH
und die rheinische Kunstszene
1912 bis 1924


Ausstellungsdauer:

29. Sept. 2006 - 14. Januar 2007
Als Pionier der ungegenständlichen Kunst hat Otto Freundlich (1878-1943) längst seinen Platz in der Moderne gefunden. Eine jüngere Generation von Künstlern der Gegenwart, die von dem amerikanischen Lichtkünstler Dan Flavin über Martin Noel bis zu dem Berliner Maler Frank Badur reicht, plädiert in ihren Widmungen an Freundlich für eine offene Lesart, die Freundlichs reiche Farbsymbolik und vielschichtige Formaussage berücksichtigt. Hier setzt die Ausstellung im August Macke Museum ein. .
Otto Freundlich
Stehende Maske 1909, Bronze, 51,x5 x 42,5 x 44,5 cm,
Berlinische Galerie, Landesmuseum für
Moderne Kunst, Fotografie und Architektur
Gestützt auf zahlreiche unveröffentlichte Briefe Freundlichs an den Komponisten und späteren "Sturm"-Galeristen Herwarth Walden und den Kunsthistoriker Wilhelm Niemeyer, einen der Initiatoren der Kölner Sonderbundausstellung 1912, die den Einzug der Moderne ins Rheinland auf breiter Basis markierte, wird Freundlichs bisher wenig beachtetes Frühwerk in den Kontext internationaler Kunstströmungen gestellt.
Otto Freundlich
Selbstbildnis, 1918,
Holzschnitt, Titelblatt "Die Aktion", Nr. 37/38, 1918,
Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn
Während und nach dem 1. Weltkrieg hielt sich Freundlich, der im Umkreis von Picasso Paris bereits seit 1908 zur Wahlheimat erkoren hatte, vorwiegend in Köln auf. Hier fand er Mäzene, Sammler, Ausstellungsmöglichkeiten und gleich gesinnte Künstlerfreunde, darunter die später zur Gruppe Progressiver Künstler zählenden Maler Heinrich Hoerle und F. W. Seiwert. Indem das bisher wenig beachtete Frühwerk des Künstlers seine rheinische Schaffensphase in den Mittelpunkt rückt, erschließen sich zahlreiche internationale Verbindungslinien seiner Kunst zwischen Expressionismus und Abstraktion. Sie zeigen einen sehr eigenen Entwicklungsgang. Einmal mehr erweist sich das Rheinland als Drehscheibe der Moderne.

Otto Freundlich
Die Mutter, 1921, Öl/Lwd. 120 x 100 cm,
Berlinische Galerie, Landesmuseum
für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur

Die Ausstellung skizziert Freundlichs Einbindung in verschiedene Künstlergruppierungen und Strömungen, wie den Symbolismus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg als Basis für die Abstraktion bis zur Pariser Gruppe "abstraction-création" in den 1930er Jahren. Dazwischen stand Freundlich in regem Austausch mit den "Brücke"-Expressionisten (Schmidt-Rottluff, Pechstein), Waldens "Sturm"-Künstlern (Carlo Mense, Archipenko) sowie den Kölner und Berliner Dadaisten (Baargeld, Max Ernst, Raoul Hausmann). Besondere Aufmerksamkeit wird der rheinischen Künstlergruppen "Junges Rheinland" (Ophey, Molzahn) und der Kölner Vereinigung Progressiver Künstler um Hoerle und Seiwert gewidmet. Mit diesen Künstlern verband Freundlich eine dauerhafte Freundschaft, die sich vor dem gemeinsamen spirituellen Hintergrund auch in seinen Beiträgen für die Zeitschrift "a bis z" niederschlug. Wie jene suchte Freundlich der Moderne neue Wege einer Tradition zu erschließen, für die ihm ein mehrmonatiger Aufenthalt in der Kathedrale von Chartres die Richtung gewiesen hatte.
Otto Freundlich
La Rosace II, Gouache/Karton, 65 x 50 cm,
Musées de Pontoise/Donation Otto Freundlich
Hier entfaltete sich seine rückwärts gewandte Sozial-Utopie, die Freundlich, der das Spezialistentum ablehnte, sowohl als Bildhauer, Maler und in verschiedenen Bereichen der angewandten Kunst - Glasfenster, Mosaike - tätig werden ließ. Bestärkt durch deprimierende Erfahrungen im 1. Weltkrieg, an dem er als Kriegsfreiwilliger kurze Zeit verwickelt war, entfaltete er in Köln und Berlin zahlreiche Aktivitäten, die sich in einem Gemeinschaftsdenken und Entwürfen für den öffentlichen architektonischen Raum konkretisierten. Sie machen, abgesehen von der Durchlässigkeit seiner Medien und dem konzeptuellen Vorgehen, die Aktualität seiner Arbeiten aus. "Das Werk des Künstlers", schreibt Freundlich, "ist eine Summe konstruktiver Akte, künstlerische Kultur ist und war immer dasselbe: Vorbereitung für die Zukunft".

Kurator:
Prof. Dr. Joachim Heusinger von Waldegg, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe

Katalog zur Ausstellung, ca. 300 Seiten, 32 Farbtafeln, 100 Abbildungen, 25.- €.

Gefördert von der Kunststiftung NRW


mit freundlicher Unterstützung




zur aktuellen Ausstellung

 
Otto Freundlich
Kopf (Selbstbildnis), 1923,
Gouache/Papier, 73 x 59 cm, Privatsammlung
Bornheimer Straße 96
53119 Bonn
Telefon: 0228 / 65 55 31
Fax: 0228 / 69 15 50
Mail: buero@august-macke-haus.de

Di - Fr 14.30-18 Uhr,
Sa, So & Feiertags 11-17 Uhr,
Mo geschlossen.