Paul Adolf Seehaus,
Madonna der Vorstadt, 1919,
Öl auf Leinwand
105 x 79 cm
Privatbesitz

Bornheimer Straße 96
53119 Bonn
Telefon: 0228 / 65 55 31
Fax: 0228 / 69 15 50
Mail: buero@august-macke-haus.de
 

 

Paul Adolf Seehaus
Retrospektive

Ausstellungsdauer:
18. Juni – 12. September 2004

Der früh verstorbene Paul Adolf Seehaus nimmt im Kreis der Rheinischen Expressionisten eine Sonderstellung ein. Er ist der einzige gebürtige Bonner unter ihnen; keiner außer ihm hatte neben der künstlerischen Tätigkeit eine wissenschaftliche Ausbildung – Seehaus war promovierter Kunsthistoriker –, vor allem aber: Seehaus wurde schon als Gymnasiast von August Macke, der seine künstlerische Begabung entdeckte, als „einziger und unentgeltlicher Meisterschüler“ (Elisabeth Erdmann-Macke) angenommen. Von 1911 bis zu Mackes Einberufung am 8. August 1914 währte der Kontakt, der weit über ein bloßes Lehrer-Schülerverhältnis hinausging. In kürzester Zeit machte der junge Maler sich mit den wesentlichen Strömungen der jüngsten Kunst, mit Fauvismus, Kubismus, Futurismus und Orphismus vertraut.


Paul Adolf Seehaus, Leuchtturm mit rotierenden Strahlen, 1913,
Öl auf Leinwand, 49 x 45,5 cm, Kunstmuseum Bonn

Spätestens im Frühsommer 1913 dürfte Macke ihn als eigenständigen und weit überdurchschnittlichen Künstler gesehen haben. Bei der Vorbereitung der „Ausstellung Rheinischer Expressionisten“ nahm er ihn schon in die erste, engere Auswahl auf. In einer Ausstellungsbesprechung der „Frankfurter Zeitung“ wurde Seehaus als “die eigentliche Überraschung der Ausstellung..., der als echtestes Malerblut unbedingt große Erwartungen weckt“ bezeichnet. Im selben Jahr stellte er im legendären „Ersten Deutschen Herbstsalon“ der Galerie „Der Sturm“ in Berlin aus.

Der Ausbruch des ersten Weltkrieges und der frühe Tod August Mackes im September 1914 führten Seehaus in eine essentielle, aber zugleich kreative Krise. Es kam zu einer Verlagerung der Themen in seinen Bildern. Neben Darstellungen der vertrauten heimatlichen Welt entstanden düstere „keltische“ Landschaften, die seine Sehnsucht nach einer menschenleeren, ungezähmten Natur widerspiegeln. In den letzten Kriegsjahren malte Seehaus vorwiegend kleinformatige, sehr farbintensive Aquarelle. In ihnen, wie auch in gleichzeitigen großen Farbstiftzeichnungen von hoher Qualität, zog er das Fazit seiner bisherigen Tätigkeit. Es ist weniger die Nähe zu August Macke, als vielmehr die Auseinandersetzung mit dem Orphismus eines Robert Delaunay, die Seehaus in seinem reifen Werk reflektiert. Mehr als alle anderen rheinischen Expressionisten verarbeitete Seehaus kubo-futuristisches Formvokabular in seinen Bildern. Eine ausgeprägte Lust am Narrativen korrespondiert mit einem kristallinen Formgerüst aus farbigen Facetten, die in ihrer Leuchtkraft neue, zukunftsweisende Dimensionen eröffneten.


Paul Adolf Seehaus, Die roten Türme, 1917,
Öl auf Leinwand, 78 x 88 cm, Privatbesitz

Völlig unerwartet erlag Paul Adolf Seehaus im Alter von 27 Jahren einer Lungenentzündung. In einer Rezension der ersten großen Nachkriegsausstellung im Westen Deutschlands „Das junge Rheinland“ im Jahr 1919, heißt es: „Unglück traf zu, da in dieser Ausstellung rheinischer Jugend die lebendigsten zwei Tote sind: A. Macke und Seehaus“.

Die Paul A. Seehaus-Ausstellung ist retrospektiv angelegt und vereinigt rund 80 Gemälde, Aquarelle, Farbstiftzeichnungen und Radierungen, darunter frühe Werke, die sehr wahrscheinlich in Mackes Atelier entstanden und erstmals wieder am Ort ihres Entstehens zu sehen sind.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation, die auf der Dissertation des Kurators beruht und erstmals umfassend über Leben und Werk von P. A. Seehaus informiert. Hinzu kommt ein durchgehend bebildertes Werkverzeichnis mit 470 Nummern.

Kurator:
Dr. Peter Dering, Schloss Moyland, Bedburg-Hau

Monographie mit Werkverzeichnis,
28 x 21 cm, ca. 250 S., 500 Abbildungen, davon 50 farbig: 49.- Euro

Öffnungszeiten:
Di – Fr. 14.30 – 18 Uhr,
Sa, So u. feiertags 11 – 17 Uhr

Begleitprogramm zur Ausstellung

Kostenlose Führung
jeden Sonntags 11.30 Uhr

Führungen für Gruppen
nach Absprache

Stadtführungen:
Samstag, 11. September
„Auf Mackes Spuren in Bonn“

Ausgehend vom Wohn- und Atelierhaus August Mackes, in dessen unmittelbarer Umgebung zunächst einige bevorzugte Motive des Künstlers erkundet werden, führt der Spaziergang durch Bonn über den Alten Friedhof mit dem Gedenkstein für August Macke zur Innenstadt zum Geburtshaus des mit Macke eng befreundeten Schriftstellers Wilhelm Schmidtbonn und dem Ort, an dem August Macke 1913 die Ausstellung „Rheinische Expressionisten“ organisierte. Mit der U-Bahn geht es abschließend zum Kunstmuseum Bonn, wo sich die Sammlung „August Macke und die Rheinischen Expressionisten“ befindet.

Treffpunkt: August Macke Haus 14.00 Uhr
Dauer ca. 3 Stunden
Leitung: Beate Marks-Hanßen M. A.
Kosten: 12.-€/ ermäßigt 10.- € (incl. Eintritte)
Anmeldung erwünscht


Programme für Kinder zu Paul A. Seehaus
Kreativworkshops
Ferienkurse
Führungen
Kindergeburtstage
Information und Anmeldung: Marlene Heinze


Gefördert vom
General Anzeiger und der
Rheinischen Sparkassenstiftung
und mit freundlicher Unterstützung von INFOSCREEN München