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Paul Adolf Seehaus
Retrospektive
Ausstellungsdauer:
18. Juni – 12. September 2004
Der früh verstorbene
Paul Adolf Seehaus nimmt im Kreis der Rheinischen Expressionisten eine
Sonderstellung ein. Er ist der einzige gebürtige Bonner unter ihnen;
keiner außer ihm hatte neben der künstlerischen Tätigkeit
eine wissenschaftliche Ausbildung – Seehaus war promovierter Kunsthistoriker
–, vor allem aber: Seehaus wurde schon als Gymnasiast von August
Macke, der seine künstlerische Begabung entdeckte, als „einziger
und unentgeltlicher Meisterschüler“ (Elisabeth Erdmann-Macke)
angenommen. Von 1911 bis zu Mackes Einberufung am 8. August 1914 währte
der Kontakt, der weit über ein bloßes Lehrer-Schülerverhältnis
hinausging. In kürzester Zeit machte der junge Maler sich mit den
wesentlichen Strömungen der jüngsten Kunst, mit Fauvismus, Kubismus,
Futurismus und Orphismus vertraut.

Paul Adolf Seehaus,
Leuchtturm mit rotierenden Strahlen, 1913,
Öl auf Leinwand, 49 x 45,5 cm, Kunstmuseum Bonn
Spätestens
im Frühsommer 1913 dürfte Macke ihn als eigenständigen
und weit überdurchschnittlichen Künstler gesehen haben. Bei
der Vorbereitung der „Ausstellung Rheinischer Expressionisten“
nahm er ihn schon in die erste, engere Auswahl auf. In einer Ausstellungsbesprechung
der „Frankfurter Zeitung“ wurde Seehaus als “die eigentliche
Überraschung der Ausstellung..., der als echtestes Malerblut unbedingt
große Erwartungen weckt“ bezeichnet. Im selben Jahr stellte
er im legendären „Ersten Deutschen Herbstsalon“ der Galerie
„Der Sturm“ in Berlin aus.
Der Ausbruch des ersten Weltkrieges und der frühe Tod August Mackes
im September 1914 führten Seehaus in eine essentielle, aber zugleich
kreative Krise. Es kam zu einer Verlagerung der Themen in seinen Bildern.
Neben Darstellungen der vertrauten heimatlichen Welt entstanden düstere
„keltische“ Landschaften, die seine Sehnsucht nach einer menschenleeren,
ungezähmten Natur widerspiegeln. In den letzten Kriegsjahren malte
Seehaus vorwiegend kleinformatige, sehr farbintensive Aquarelle. In ihnen,
wie auch in gleichzeitigen großen Farbstiftzeichnungen von hoher
Qualität, zog er das Fazit seiner bisherigen Tätigkeit. Es ist
weniger die Nähe zu August Macke, als vielmehr die Auseinandersetzung
mit dem Orphismus eines Robert Delaunay, die Seehaus in seinem reifen
Werk reflektiert. Mehr als alle anderen rheinischen Expressionisten verarbeitete
Seehaus kubo-futuristisches Formvokabular in seinen Bildern. Eine ausgeprägte
Lust am Narrativen korrespondiert mit einem kristallinen Formgerüst
aus farbigen Facetten, die in ihrer Leuchtkraft neue, zukunftsweisende
Dimensionen eröffneten.
Paul Adolf Seehaus,
Die roten Türme, 1917,
Öl auf Leinwand, 78 x 88 cm, Privatbesitz
Völlig
unerwartet erlag Paul Adolf Seehaus im Alter von 27 Jahren einer Lungenentzündung.
In einer Rezension der ersten großen Nachkriegsausstellung im Westen
Deutschlands „Das junge Rheinland“ im Jahr 1919, heißt
es: „Unglück traf zu, da in dieser Ausstellung rheinischer
Jugend die lebendigsten zwei Tote sind: A. Macke und Seehaus“.
Die Paul A. Seehaus-Ausstellung ist retrospektiv angelegt
und vereinigt rund 80 Gemälde, Aquarelle, Farbstiftzeichnungen und
Radierungen, darunter frühe Werke, die sehr wahrscheinlich in Mackes
Atelier entstanden und erstmals wieder am Ort ihres Entstehens zu sehen
sind.
Zur Ausstellung erscheint eine Publikation, die auf der
Dissertation des Kurators beruht und erstmals umfassend über Leben
und Werk von P. A. Seehaus informiert. Hinzu kommt ein durchgehend bebildertes
Werkverzeichnis mit 470 Nummern.
Kurator:
Dr. Peter Dering, Schloss Moyland, Bedburg-Hau
Monographie
mit Werkverzeichnis,
28 x 21 cm, ca. 250 S., 500 Abbildungen, davon 50 farbig: 49.- Euro
Öffnungszeiten:
Di – Fr. 14.30 – 18 Uhr,
Sa, So u. feiertags 11 – 17 Uhr
Begleitprogramm
zur Ausstellung
Kostenlose
Führung
jeden Sonntags 11.30 Uhr
Führungen
für Gruppen
nach Absprache
Stadtführungen:
Samstag, 11. September
„Auf Mackes Spuren in Bonn“
Ausgehend vom Wohn- und Atelierhaus August Mackes, in dessen unmittelbarer
Umgebung zunächst einige bevorzugte Motive des Künstlers erkundet
werden, führt der Spaziergang durch Bonn über den Alten Friedhof
mit dem Gedenkstein für August Macke zur Innenstadt zum Geburtshaus
des mit Macke eng befreundeten Schriftstellers Wilhelm Schmidtbonn und
dem Ort, an dem August Macke 1913 die Ausstellung „Rheinische Expressionisten“
organisierte. Mit der U-Bahn geht es abschließend zum Kunstmuseum
Bonn, wo sich die Sammlung „August Macke und die Rheinischen Expressionisten“
befindet.
Treffpunkt: August
Macke Haus 14.00 Uhr
Dauer ca. 3 Stunden
Leitung: Beate Marks-Hanßen M. A.
Kosten: 12.-€/ ermäßigt 10.- € (incl. Eintritte)
Anmeldung erwünscht
Programme für Kinder zu Paul A. Seehaus
Kreativworkshops
Ferienkurse
Führungen
Kindergeburtstage
Information und Anmeldung: Marlene Heinze
Gefördert vom
General
Anzeiger und der
Rheinischen Sparkassenstiftung
und mit freundlicher
Unterstützung von INFOSCREEN München
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